Wissen · Maschinenbauer
After-Sales-Software im Maschinenbau: Arten und Auswahlkriterien
Von Gerd Bart, Gründer und Geschäftsführer · Stand
Kurz gesagt
After-Sales-Software ordnet alles, was nach dem Verkauf einer Maschine kommt: Störungen, Wartung, Ersatzteile, Unterlagen und die Geschichte jeder Maschine. Die wichtigsten Arten sind das Kundenportal eines Herstellers, der Ersatzteilshop, das CMMS der Instandhaltung, FSM- und Service-Management-Software des Herstellers und das Industrial Service Network. Jede lässt sich an acht Feldern prüfen. Die erste Frage lautet: Bildet die Software nur Ihre Firma ab oder alle, die an der Maschine arbeiten?
Was After-Sales-Software leistet
After-Sales-Software, oft auch After-Sales-Plattform oder Service-Management-Software genannt, ordnet die Arbeit, die nach dem Verkauf einer Maschine anfällt. Sie ersetzt Telefon, Mail und Tabellen durch Abläufe, die jeder Beteiligte nachvollziehen kann.
Störungen.
Melden, einordnen, zuweisen und lösen, mit Maschine, Fehlerbild und Zeitstempel.
Wartung.
Planen nach Intervall, Betriebsstunden oder Signal der Maschine und festhalten, was gemacht wurde.
Ersatzteile.
Katalog mit Stückliste, Verfügbarkeit, Bestellung und Lieferstand, direkt am Servicefall.
Kommunikation.
Instandhaltung, Serviceteam und Techniker arbeiten am selben Fall, ohne Mails weiterzuleiten.
Dokumentation.
Serviceberichte, Wartungshistorie und Prüfprotokolle, abrufbar je Maschine.
Der Unterschied zu CRM und ERP: After-Sales-Software hängt jeden Fall an eine bestimmte Maschine, mit Seriennummer, Standort, Stückliste und Geschichte. Ein CRM kennt den Kunden und seinen Vertrag. After-Sales-Software kennt seine Maschinen.
Was After-Sales im Maschinenbau besonders macht
Drei Eigenheiten unterscheiden den Service im Maschinenbau vom Service in anderen Branchen.
Mehrere Firmen je Servicefall.
Die Instandhaltung meldet die Störung, der Hersteller klärt sie, ein Techniker repariert, ein Lieferant bringt das Teil. Software, die nur eine dieser Firmen abbildet, überlässt die Abstimmung zwischen den anderen den Menschen.
Lange Lebensdauer.
Maschinen bleiben viele Jahre im Einsatz. Stücklisten, Ersatzteile und Unterlagen müssen auch für ältere Baureihen stimmen, über mehrere Generationen hinweg.
Gemischte Maschinenparks.
Ihr Kunde hat Maschinen vieler Hersteller, und jeder Hersteller hat sein eigenes Portal. Software, die nur einen Hersteller abbildet, löst nur einen Teil seines Problems.
Welche Arten es gibt
Maschinenbauer finden auf dem Markt sechs Arten. Die ersten fünf gehören jeweils einer Firma.
| Art | Gehört | Macht vor allem | Endet |
|---|---|---|---|
| Kundenportal eines Herstellers | einem Maschinenbauer | Unterlagen, Teile und Anfragen zu dessen Maschinen | bei den Maschinen dieses Herstellers |
| Ersatzteilshop | einem Maschinenbauer oder Händler | Teile suchen und bestellen | bei der Bestellung, oft ohne Bezug zur einzelnen Maschine |
| CMMS (Instandhaltungssoftware) | der Instandhaltung eines Werks | Wartungspläne, Arbeitsaufträge, Ersatzteillager | an der Werksgrenze |
| FSM (Field Service Management) | dem Service eines Maschinenbauers | Einsätze planen, Techniker steuern, Berichte | an der Firmengrenze des Herstellers |
| Service-Management-Software | dem Service eines Maschinenbauers | Tickets, Fristen, Wartung, Teile und Auswertung für die eigenen Maschinen | an der Firmengrenze des Herstellers |
| Industrial Service Network | keiner der beteiligten Firmen | die gemeinsame Ebene zwischen den Firmen: Akte je Maschine, Störung bis Lösung, Bestellen beim Hersteller, für alle Hersteller eines Werks | an keiner Firmengrenze |
Die ersten fünf Arten ordnen den Service innerhalb einer Firma, und das können sie gut. Der Service an einer Maschine betrifft aber immer mehrere Firmen: die Instandhaltung beim Kunden, den Hersteller, oft einen Servicepartner und den Lieferanten des Materials. Arbeiten sie in getrennten Systemen, bleibt die Abstimmung zwischen ihnen Handarbeit.
Acht Felder für die Bewertung
An diesen acht Feldern prüfen Sie jede After-Sales-Software. Sie zeigen, wo eine Lösung Lücken hat.
Reaktionszeit und Fristen.
Wo beginnt die Messung: beim Signal der Maschine oder erst beim Ticket? Sehen Ihr Team und Ihr Kunde denselben Stand der vereinbarten Fristen? Eskaliert die Software von selbst, wenn eine Frist droht, und lassen sich Fristen nach Maschinentyp, Standort und Kunde unterscheiden?
Vorausschauende Wartung.
Drei Reifegrade sind üblich: reaktiv (Störungen werden gemeldet), regelbasiert (Wartung nach Laufzeit oder Intervall) und datengetrieben (die Signale der Maschine werden laufend ausgewertet, Abweichungen fallen vor der Störung auf). Sie ist nur so gut wie ihre Daten. Fragen Sie, welcher Reifegrad heute läuft und wessen Maschinendaten einfließen.
Ersatzteile und Wartung.
Der Katalog gehört an die Maschine, mit Stückliste, Verfügbarkeit und Preis. Bestellungen kommen aus der Maschinenakte oder dem Wartungsplan, Ihr Kunde sieht den Lieferstand, und die Software weiß, welches Teil in welche Baureihe passt. Die Kennzahl: welcher Anteil der Bestellungen ohne Handarbeit in Ihrem Team läuft.
Anbindung an ERP, CRM und MES.
Fragen Sie nach der Tiefe der Anbindung: Überträgt sie nur Daten, oder löst sie Abläufe aus, etwa einen Auftrag im ERP nach einer Störung? Für Maschinendaten zählen offene Standards wie OPC UA, MQTT und REST.
Einheitliche Abläufe über Länder und Marken.
Mit internationaler installierter Basis braucht der Service überall dieselben Abläufe, in der Sprache des Kunden und des Technikers, mit vergleichbaren Fristen und zentraler Auswertung. Lösungen für wiederkehrende Störungen sollten festgehalten und für alle abrufbar sein.
Auswertung von Service und Stillstand.
Stillstand erfasst die Software am besten direkt aus den Daten der Maschine. Eine gute Auswertung trennt die Ursachen (geplante Wartung, Störung, Warten auf ein Teil, Warten auf den Techniker) und zeigt sie nach Hersteller, Maschinentyp, Standort und Schicht. Erst dann sehen Sie, wo der größte Hebel liegt.
Self-Service für Ihren Kunden.
Ihr Kunde bestellt Teile und Verbrauchsmaterial selbst, meldet Störungen mit Maschine und Fehlerbild, sieht den Stand seines Falls und findet Unterlagen und Wartungshistorie. Jede dieser Aufgaben fällt als Anruf bei Ihrem Team weg.
Alle Beteiligten im selben Vorgang.
Die Software bildet alle ab, die an einem Servicefall arbeiten: die Instandhaltung mit ihren Maschinen und Standorten, den Hersteller mit Service, Katalog und Fristen, den Servicepartner mit Einsatz und Bericht, den Materiallieferanten mit Verfügbarkeit und Preis. Fehlt dieses Feld, hat Ihr Kunde für jeden Hersteller ein eigenes Portal und damit viele digitale Inseln.
Was zuerst zählt, hängt von Ihrer Lage ab. Mit großer installierter Basis im Ausland sind es oft die einheitlichen Abläufe, mit hohem Ersatzteilumsatz die Ersatzteile, und wer sein Team entlasten will, beginnt beim Self-Service. Das achte Feld lässt sich schwer nachrüsten: Software, die für eine Firma gebaut ist, bleibt bei dieser Firma.
Was Sie jeden Anbieter fragen sollten
Hängt jeder Fall an einer Maschine?
Mit Seriennummer, Standort, Stückliste und Geschichte. Software, die nur Tickets kennt, kennt die Maschine nicht.
Wo beginnt die Reaktionszeit?
Beim Signal der Maschine oder erst beim Ticket? Wer ab dem Ticket misst, sieht die Zeit davor nicht: den Anruf, die Rückfragen, das Weiterleiten.
Sieht Ihr Kunde denselben Stand wie Ihr Team?
Zwei Ansichten mit zwei Ständen führen zu Rückfragen. Beide Seiten sollten denselben Fall, dieselben Fristen und denselben Stand sehen.
Wie kommen Maschinen anderer Hersteller hinein?
Ihr Kunde führt Maschinen vieler Hersteller. Braucht er für jeden ein eigenes System, bleibt Ihr Angebot eines von vielen.
Wie werden Ersatzteile ausgelöst?
Von Hand durch Ihren Kunden, von Hand durch Ihr Team oder aus Wartungsplan und Maschinendaten? Davon hängen Verfügbarkeit und Reaktionszeit ab.
Wie wächst die Software mit Ihrer installierten Basis?
Fragen Sie, welcher Anteil der Servicefälle ohne Handarbeit läuft und wie er sich mit der Nutzung ändert. Wächst der Service nur mit mehr Personal, ist das Problem nicht gelöst.
Wem gehören die Daten?
Klären Sie, wem die Daten gehören, wie Sie sie bei einem Wechsel mitnehmen und ob die Software einem Hersteller gehört, mit dem Sie im Wettbewerb stehen.
Was Transaction-Network damit zu tun hat
Transaction-Network ist die neutrale Service-Infrastruktur für jede Maschinenmarke. Auf ihr läuft das Industrial Service Network. Ihr Kunde führt dort alle seine Maschinen in einem Konto, auch die anderer Hersteller, und findet darin Ihre Unterlagen, Ihre Teile und Ihren Service.
Als Maschinenbauer wählen Sie die Module je Maschine: E-Commerce für Ersatzteile, Service Requests für Anfragen, Maintenance für die Wartung, Asset Management für Ihre installierte Basis als Grundlage der anderen Module, dazu ein Modul für den Cyber Resilience Act. Das Service Brain beantwortet Fragen aus Ihren Unterlagen und nennt die Quelle. Preise, Kunden und Verträge bleiben bei Ihnen.
Fragen
Häufige Fragen
Was unterscheidet After-Sales-Software von einem CRM?
Ein CRM verwaltet Kunden, Kontakte und Verträge. After-Sales-Software verwaltet Maschinen, Servicefälle, Wartung und Ersatzteile, jeweils an der einzelnen Maschine. Beide ergänzen sich: Das CRM kennt den Kunden, die After-Sales-Software kennt seine Maschinen.
Reicht unser eigenes Kundenportal?
Für Ihre eigenen Maschinen ordnet es den Service. Ihr Kunde hat aber Maschinen vieler Hersteller und für jeden ein eigenes Portal, und Ihr Angebot erreicht ihn dort nur, wenn er gezielt danach sucht. Ein Industrial Service Network bringt Ihre Teile und Ihren Service in das Konto, in dem er alle seine Maschinen führt. Ihr Portal bleibt.
Muss unser Kunde dafür eigene Software einführen?
Nein. Ihr Kunde braucht ein Konto, in dem er alle seine Maschinen führt. Sein Instandhaltungssystem arbeitet weiter.
Ersetzt After-Sales-Software unser ERP?
Nein. Sie bindet ERP, CRM und Ticketsystem an. Fragen Sie jeden Anbieter, ob die Anbindung nur Daten überträgt oder auch Abläufe auslöst, etwa einen Auftrag im ERP.
Funktioniert das auch für ältere Maschinen ohne Datenanbindung?
Ja. Maschinenakte, Unterlagen, Ersatzteile, Wartung und Servicefälle brauchen keine Anbindung. Live-Daten kommen dazu, sobald eine Maschine angebunden ist, bei Transaction-Network über den IoT Hub.
Woran messe ich, ob After-Sales-Software wirkt?
An Kennzahlen je Maschine: Zeit von der Meldung bis zum Auftrag, Anteil der Störungen, die ohne Anruf gemeldet werden, Anteil der Ersatzteilbestellungen im Self-Service, Stillstand je Maschine und Monat und Ersatzteilumsatz aus Ihrer installierten Basis.
Weiterlesen
- Wissen
CMMS, FSM oder Industrial Service Network: was passt?
Der Vergleich: was jedes System kann, wo es endet und was Sie für Ihre Lage brauchen.
- Wissen
Was ist ein Industrial Service Network?
Die Kategorie: was es ist, woran man es erkennt und wer was davon hat.
- CEO-Klartext ·
Der 9-Punkte-Check: So bauen Sie eine tragfähige After-Sales-Lösung auf
Viele Maschinenbauer wissen, dass sie im Service digitaler werden müssen. Die Frage ist nur: Wo fängt man sauber an und worauf kommt es wirklich an?
Demo
Sehen Sie Ihre Maschinen in einem Konto.
In einer Demo zeigen wir Ihnen, wie Ihr Maschinenpark in einem Konto aussieht: alle Hersteller, jede Maschine mit Akte, Wartung und Service Brain.